
In Magdeburg flirrt die Luft
Lesbische Pinguin-Damen, die das Ei ihres verwitweten Artgenossen bebrüten. Drei Studierende, die eine polyamoröse Beziehung wagen und ihren Freundeskreis dadurch verlieren. Eine Schauspielerin, die einen angehenden Komponisten von Weltrang aus dem Takt bringt. Der gehörnte Schlossherr, der einen leeren Sarg beweint hat und nun Rache schwört. Manch einer schenkt Blumen, ein Mann vermacht seiner Gattin eine ganze Insel.
Klingt wie Hollywood? Alles „Machdeburjer Orijinale“! Und nur ein kleiner Teil der mehr als 60 Love Stories, die schon im Scheinwerferlicht von „Liebestoll“ gestrahlt haben. Mit unvorhergesehenen Stimmungswechseln prallen hier alle denkbaren Varianten der Liebe aufeinander, von schwärmerisch bis schädlich, bislang in 9 Staffeln von „Liebestoll“ – und in einem rasanten Best of.
In rund 3 Stunden inklusive Pause erleben die Zuschauer:innen 7 in sich geschlossene Geschichten aus Magdeburg und Umgebung. Die kurzen, zugespitzten Szenen wollen in ihrer Diversität den Blick auf andere Lebensweisen schärfen. Jedem Kapitel sein Stilmittel: Schauspiel, Akrobatik, Figurentheater, dynamischer Tanz und immer wieder Interaktion mit dem Publikum, das sich auch auf die schönsten Love Songs und eine gehörige Ladung Humor freuen darf.
So bunt wie in der Liebe geht es auch auf der Bühne zu: Immer wenn von einer zur nächsten Story gesprungen wird, leuchten die Kostüme und die Dekoration in einem anderen prägnanten Farbton. Das gilt auch für den Vorhang, der schon mal zum Fahrstuhl, zur Plakatwand, zum Gefängnis, zum Königsmantel oder zur Spiegelfläche wird. Vor dem Vorhang spielt sich ein Drama der Jetztzeit ab, und wenn er sich öffnet, steht dahinter schon Personal aus dem 19. Jahrhundert bereit. Das minimalistische Prinzip rückt die Emotionen der Figuren in den Fokus – und davon gibt es pro Staffel so viele, dass unser Ensemble jeweils mehrere Rollen verkörpert.
Den kunstvollen Faden zwischen den Episoden spinnt Amor(a) – eine mythische Figur, die Zusammenhänge von historischen Begebenheiten und heutigen Fragestellungen aufspürt. Amor(a) setzt aber auch die rasanten Schnitte von Erschütterung zu Fröhlichkeit, moderiert Wendepunkte und erhöht die Spannung durch Cliffhanger: Wie wird es weitergehen?
Die Live-Seifenoper macht süchtig, und wie sich hier Bühnenzauber mit Magdeburger Lokalkolorit mischt, das gibt es nur bei „Liebestoll“.




























































